Hausschwamm Brennholz
Holzzerstörende Pilze – Gefahr auf feuchtem Brennholz

Heizkosten senken durch das Heizen mit Holz – Die Idee, dass sich durch das Heizen mit Holz viel Geld sparen lässt, geistert immer noch in vielen Köpfen herum. Land auf, Land ab werden deshalb Kaminöfen nicht nur der wohligen Wärme und der damit verbundenen behaglichen Atmosphäre wegen eingebaut, sondern im Glauben, damit auch noch dem Geldbeutel etwas Gutes zu tun. Doch das für den Endverbraucher ohne gute Lagermöglichkeiten  gut geeignetes, kammergetrocknetes Brennholz, ist am Ende gar nicht mehr billig. Gerade wenn die Haushaltskasse klamm ist, wird daher allzu gerne der Versuchung nachgegeben, zum frischeren und damit nicht ganz so trockenen Holz zu greifen. Neben dem erhöhten Anspruch dieses Holz im Ofen zu entzünden, holt man sich damit unter Umständen noch ganz andere Probleme ins Haus.

Holzstörende Pilze und Echter Hausschwamm (Serpula Lacrymans)

Wird frisches bis halbtrockenes Holz im Haus eingelagert, bieten sich Schimmelpilzen und holzzerstörenden Pilzen wie dem echten Hausschwamm (Serpula Lacrymans) optimale Lebensbedingungen.

Der echte Hausschwamm ist der am meisten gefürchtete Holzzerstörer in Gebäuden. Er wächst auf der Oberfläche und im Holzinnern, wo er die Zellulose, also das tragende Gerüst des Holzes abbaut, wodurch sich das Holz dunkel verfärbt (sogenannte Braunfäule). Sein Mycel kann holzfreie und trockene Strecken (auch Mauerwerk, Mörtel etc.) über- bzw. durchwachsen und auch trockenes Holz angreifen. Es überdauert lange Trockenzeiten („Trockenstarre“). Aufgrund dieser Eigenschaften und seiner enormen Zerstörungskraft wird der echte Hausschwamm als besonders gefährlicher Holzzerstörer eingestuft. Neben Holz kann er natürlich auch andere zellulosehaltige Materialien abbauen.

Echter Hausschwamm an Holzverkleidung
Echter Hausschwamm kann Mauerwerk um- und durchwachsen und sich so weitere Holzvorkommen erschließen

Neben dem echten Hausschwamm gibt es noch eine ganze Reihe anderer holzzerstörender Pilze, die ebenfalls mehr oder weniger großes Zerstörungspotential zeigen. Der echte Hausschwamm ist nur der bekannteste und gefährlichste. Das Problem mit dem „Krebs des Hauses“, wie er auch genannt wird, ist keineswegs neu und schon in der Bibel beschrieben.

Wenn aus dem Wunsch, die Heizkosten zu senken, schwere Bauschäden erwachsen

Schimmel Brennholz
Hohe Holzfeuchte unterstützt das Ansiedeln von gefährlichen Schimmelpilzen
Serpula Lacrymans - Der echte Hausschwamm
Serpula Lacrymans – Der echte Hausschwamm wächst hier aus einer Holzbekleidung
Echter Hausschwamm Serpula lacrymans auf Treppe
Echter Hausschwamm Serpula lacrymans durchwuchs hier die Wand, um den Holzbelag der Treppe zu befallen
Echter Hausschwam an Treppe
Der Holzbelag der Betontreppe ist ein gefundenes Fressen für den echten Hausschwamm

Ein erschreckendes Beispiel, wie die Lagerung von feuchtem Holz und der damit verbundene Einzug des echten Hausschwamms Existenzen zerstören kann, begegnete mir kürzlich in einer Hannoverschen Immobilie ganz in der Nähe meines Büros. Es handelte sich um ein Haus älteren Baujahrs, das im Laufe der Lebenszeit der Bewohner mehrfach erweitert wurde, um den steigenden Platzbedarf der Familie zu decken. Inzwischen sind die Kinder jedoch schon lange aus dem Haus. Schließlich wurde das große Haus nur noch von einem einzelnen, älteren Herren bewohnt, der es von seiner Rente allein unterhalten musste.

Das Haus beheizte der Mann vornehmlich mit Holz. Das Holz bezog er kostengünstig dort, wo es gerade billig oder umsonst war und lagerte es ein. Platz hatte er ja genug. Auch hatte er eine Säge und war körperlich fit, so dass er es passend zerkleinern konnte. In seinen Vorräten fand sich altes Bauholz, Holzreste aus Werkstätten wie auch kurze, ganze Baumstämme, die noch ungespalten wie fast frisch aus dem Wald aussahen. Das Holz lagerte zum Teil im Keller und zum Teil ebenerdig im anliegenden Anbau, dessen Dach nicht mehr ganz dicht war und dessen Reparatur immer wieder aufgeschoben wurde.

Gerufen wurde ich in diese Immobilie wegen „Schimmelpilzen im Keller“. Man machte sich Sorgen um die Gesundheit des Bewohners. Schnell stellte sich bei der Besichtigung jedoch heraus, dass Schimmelpilze hier das kleinste Problem waren. Der echte Hausschwamm hatte sich bereits häuslich eingerichtet – zentral im Treppenhaus. Er war sogar schon durch die Treppe und die anliegenden Wände gewachsen und auch einige Räume weiter fanden sich kleinere Fruchtkörper auf dem gelagerten Holz. Zudem hatte sich stellenweise Schimmelpilze angesiedelt und im Dachstuhl eines nur auf den ersten Blick schadenfreien weiteren Anbaus war ein Blättlingspilz (weiterer Holzzerstörer) zuhause.

Der Bewohner wollte Heizkosten sparen durch das Heizen mit Holz. Nun ist eine teure Sanierung notwendig, um die Standsicherheit zu gewährleisten. Da die Kosten der Schwammsanierung den Wert des Hauses voraussichtlich übersteigen werden, ist bei Schwammschäden grundsätzlich zu prüfen, ob der vollständige Abbruch der Immobilie nicht die bessere Alternative ist.

Die beschriebenen Schäden wären vermeidbar gewesen. Sie entstanden durch den wenig bedachten Umgang mit Holz, unsachgemäße Abdichtungsarbeiten am Dach bzw. nicht zeitnah erledigte Reparaturen. Die Nutzung der Zentralheizung wäre in diesem Fall definitiv günstiger und sicherer gewesen als das Heizen mit Holz.

Holz darf stets nur trocken eingelagert werden. Sorgen Sie dafür, dass es trocken bleibt

Die Moral von der Geschichte ist, dass sich mit dem Heizen mit Holz in der Regel nicht viel sparen lässt. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Unabdingbar sind entweder der Bezug ausschließlich hinreichend trockenen Brennholzes oder geeignete Lagermöglichkeiten (trocken, sehr gut belüftet) fernab des Hauses.
Keinesfalls lohnend ist es, für eine vermeintliche Ersparnis bei den Heizkosten den Befall eines Wohnhauses mit echtem Hausschwamm oder anderen holzzerstörenden Pilzen zu riskieren.

 

Serpula Lacrymans – Warum das Lagern von feuchtem Holz so gefährlich ist
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Natascha Kraemer - Die Ingenieurin aus Isernhagen (Region Hannover) ist freiberuflich als Energieberaterin und Sachverständige für Schimmelpilzbelastungen tätig.

2 Gedanken zu „Serpula Lacrymans – Warum das Lagern von feuchtem Holz so gefährlich ist

  • Welche bedingungen brauchen Schimmelsporen oder der Hausschwamm ?
    Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind da ja wohl die entscheidenden Einflußparameter und ja interessant wird es bei Altbauten mit Aussenwänden die eine miserable Dämmung besitzen….
    Ich als Heizungsbaumeister finde es dann besonders gut im unteren Bereich der Wand aufputz einige Heizrohre zu verlegen und im oberen Teil mit Lehmputz eine verlässliche Feuchteregulation zu gewährleisten…

    1. Der echte Hausschwamm braucht zunächst hinreichend feuchtes Holz oder anderes zellulosehaltiges Material, um sich ansiedeln zu können. Eine günstige Holzfeuchte liegt hier bei 20-30 %. Anschließend kann er auch auf trockenes Holz übergreifen.

      Schimmelpilze siedeln sich deutlich leichter und schneller an. Einigen Arten genügen bereits 70 % Luftfeuchtigkeit bzw. Wasseraktivität auf geeignetem Substrat über den Zeitraum von wenigen Tagen.
      Will man geeignete Gegenmaßnahmen treffen, müssen zunächst die Ursachen geklärt werden. In vielen Fällen ist Ihr Vorschlag ein guter Lösungsansatz – jedoch nur, wenn er die Ursache trifft. Feuchteschäden infolge eines Rohrbruchs oder eindringender Feuchtigkeit oder auch ein unzureichender Mindestluftwechsel lassen sich damit nicht ausgleichen.

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