Wie Wärmedämmung vor Schimmelpilzschäden schützt

Der Winter und damit die Schimmelhauptsaison neigt sich allmählich dem Ende zu. Die ersten Frühjahrsboten sind draußen zu entdecken. Als Sachverständige bekomme ich jetzt weniger neue Schimmelpilzschäden zu Gesicht. Vielmehr arbeite ich eine nicht enden wollende Reihe in den letzten Monaten entstandener verschleppter oder bislang unentdeckter Schäden hinter Möbelstücken in Beratungsterminen mit meinen Kunden auf. Aber warum entstehen Schimmelpilzbelastungen vornehmlich im Winter?

Warum Schimmelpilzbefall an Außenwänden vornehmlich im Winter entsteht

Mit winterlich kühlerer Witterung sinkt auch die Temperatur der Außenbauteile unserer Häuser. Besonders in wenig oder gar nicht gedämmten Altbauten bleibt die Oberflächentemperatur der Außenwände oft weit hinter der durch Beheizung erzielten Raumtemperatur zurück. Am deutlichsten zeigt sich dies in Raumecken und dort, wo Wärmebrücken vorliegen.

Schimmel in Braunschweiger Schlafzimmer
Schimmelpilzbefall in der kalten Außenecke eines Schlafzimmers

Sogenannte Wärmebrücken (fälschlicherweise oft als Kältebrücken bezeich­net) sind Bauteile bzw. Bauteilabschnitte, die besonders viel Wärme nach außen abgeben. Diese Bauteile sind dann im Innenraum beson­ders kalt. Im Grunde ist jede Raumecke, die an die Außenluft (oder auch nur an einen kälteren Raum) angrenzt, eine kleine Wärmebrücke: Die wärmeabgebende Fläche auf der Außenseite ist ver­gleichsweise riesig und kann somit viel Wärme abgeben. Dementsprechend kalt wird das flächenmäßig kleine Gegenstück auf der Innenseite – Kälte ist schließlich lediglich die Abwesenheit von Wärme.

Zum Problem werden diese kalten Bauteiloberflächen, wenn die Fenster modernisiert wurden. An alten, dem Baujahr der Immobilie entsprechenden Fenstern kondensiert überschüssige Feuchtigkeit an den kalten Fensterscheiben. Die Luft wird auf diese Weise stets auf ein Maß getrocknet, das für alle anderen Bauteiloberflächen unschädlich ist und Schimmelpilzwachstum nicht unterstützt. In Räumen und Häusern mit neuen Fenstern fehlt diese “Notbremse” oder sie greift zu spät ein.

Da kalte Luft weniger Wasserdampf aufnehmen kann als warme, erhöht sich der relative Feuchtegehalt der Luft, wenn sie an kalten Stellen im Raum vorbeistreicht und dort abkühlt. Diese hohe relative Luftfeuchtigkeit von 70 % und mehr bietet zusammen mit organischen Materialien in Tapete und Wandfarbe Schimmelpilzen eine ideale Lebensgrundlage.

Weil die Innenoberflächen der Außenwände nur bei kalten Außentemperaturen stark auskühlen, stellen sich für Schimmelpilze geeignete Bedingungen an den Wänden in der Regel nur im Winter ein. (Wasserschäden und von außen eindringende Feuchtigkeit bilden hier selbstverständlich eine Ausnahme.)

Wird es draußen wärmer, sinkt also die Temperaturdifferenz zwischen innen und außen, stagniert aufgrund der fehlenden Feuchtigkeit (hier fachlich korrekt Wasseraktivität genannt) das Schimmelpilzwachstum. So verursachte Schäden, die im Frühling beseitigt werden, sind daher vorerst wirksam behoben – bis im nächsten Winter das Spiel von neuem beginnt.

Was tun gegen winterlichen Schimmelbefall?

Liegt die Ursache für den Schimmelbefall in einem unzureichenden Wärmeschutz, hilft Wärmedämmung. Vorzugsweise wird diese außen aufgebracht. Preisgünstigste Lösung ist hier meist ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) mit einer EPS-Dämmung (besser bekannt unter dem Namen Styropor), einem amierten Unterputz und einem Deckputz. Es gibt aber auch andere schöne Lösungen mit Dämmstoffen aus Mineralwolle, Cellulose, Holzweichfaser u.v.m., kaschiert mit einer Verkleidung aus Holz, Schiefer oder Ziegel oder aber mit einer Klinkervormauerschale. Der Möglichkeiten gibt es viele – ganz nach Wunsch, örtlichen Restriktionen und Budget.

Wärmedämmung ist in der Regel die nachhaltigste Lösung – sofern sie tatsächlich die Ursache trifft. Sie gibt dem Haus ein neues Gesicht, steigert die Behaglichkeit durch an die Raumtemperatur angepasste, höhere Oberflächentemperaturen und senkt die Heizkosten.

Alternativen sind eine gezielte Bauteilerwärmung, zum Beispiel durch Heizleitungen, oder eine forcierte Lufttrocknung, zum Beispiel durch einen deutlich erhöhten Luftwechsel.

Wärmedämmung – Das Mittel gegen Schimmel?

Wärmedämmung ist natürlich kein Allheilmittel. Wichtig ist zu beachten, dass am Beginn einer jeden nachhaltigen Schimmelpilzsanierung / Ursachenbehebung das Ermitteln der Ursachen steht. In vielen Fällen hilft eine Wärmedämmung, Schimmelpilzbefall zu vermeiden. Dies ist jedoch nur der Fall, wenn die Ursache tatsächlich im Wärmeschutz liegt UND das Dämmsystem sachgerecht geplant und angebracht wird. Verbleiben Wärmebrücken, wird das Problem mit den hässlichen Flecken nur verlagert.

Aus diesem Grund kann ich nur dringendst empfehlen einen Sachverständigen mit der Ursachenermittlung zu beauftragen und möglichst auch die Umsetzung der Maßnahmen durch einen Sachverständigen begleiten zu lassen.

Fördermittel der Kfw für Wärmedämmung / energetische Sanierung

Ein weiterer guter Grund, einen Sachverständigen hinzuzuziehen ist, dass Sie für die energetische Sanierung Ihrer Immobilie Fördermittel der Kfw in Anspruch nehmen können. So heben Sie den energetischen Standard Ihrer Immobilie und beheben ganz nebenbei das Schimmelproblem. Einen von der Kfw anerkannten Sachverständigen, der Sie hierzu beraten und die Fördermittel beantragen kann finden Sie hier oder in der Energieefizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes.

Nutzen Sie den kommenden Frühling für die Planung der energetischen Sanierung, damit Sie den nächsten Winter schimmelfrei genießen können. Haben Sie Fragen oder wünschen Sie einen Beratungstermin, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Wir beraten Sie gern!

Über Natascha Sandmann 13 Artikel
Die Ingenieurin aus Isernhagen (Region Hannover) ist freiberuflich als Energieberaterin und Sachverständige für Schimmelpilzbelastungen tätig.

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